Mittwoch, 2. Oktober 2013

26.09. - 02.10.2013 WE MADE IT TO THE TOP - und danach "shutdown"

 
26.09.2013
Nach einer doch recht kühlen Nacht verlassen wir früh den Nordrand des Grand Canyon und machen uns auf den Weg zum Südrand. Auf der 4-stündigen Fahrt erreichen wir mit 27 Grad wieder sommerliche Temperaturen, allerdings bleibt es weiterhin sehr stürmisch. Am Südrand angekommen, nutzen wir das gute Wetter und besuchen zunächst einige Aussichtspunkte. Nachdem wir am Nachmittag unser Zelt aufgebaut haben, fahren wir mit dem Shuttlebus noch die Hermits Rest Road ab, die für den Privatverkehr in den Sommermonaten gesperrt ist. Da sich die Sonne zwischenzeitlich wieder hinter Wolken versteckt hat und es daher recht kühl und ungemütlich geworden ist, verzichten wir auf einen längeren Aufenthalt und kehren zum Zelt zurück. Die heiße Dusche am Abend ist heute wirklich notwendig und sehr willkommen. Um 22:00 Uhr verkriechen wir uns in unsere Behausung und lauschen dem Prasseln der Schneeflocken auf dem Zeltdach!!! Tatsächlich, es fällt der erste Schnee! Natürlich bleibt er nicht liegen, da es immer noch 4 Grad plus sind, aber der Unterschied von 27 Grad am Nachmittag zu 4 Grad in der Nacht ist doch erstaunlich. Heute haben sich unsere guten Isomatten und Schlafsäcke wirklich bezahlt gemacht. Gefroren haben wir nämlich nicht.
27.09.2013
Wir verlassen nun endgültig den Grand Canyon und fahren gen Westen. Da wir übermorgen im Yosemite NP ankommen wollen, sind jetzt zwei Tage autofahren angesagt. Am Nachmittag erreichen wir die kalifornische Grenze und somit auch die Mojave-Wüste. Die Landschaft ist hier wirklich unglaublich öde und langweilig. Auch die wenigen Ortschaften geben eher ein trauriges Bild ab. So sind wir froh, am frühen Abend endlich Barstow zu erreichen. Nach vielen Meilen ist dies der erste nennenswerte Ort, in dem es auch einige Motels gibt. Wir finden schnell ein schönes Zimmer und gehen lecker zum Mexikaner essen. Nach so vielen Tagen im Zelt tut der Luxus eines festen Dachs über dem Kopf auch noch mal gut. Und eine Grundreinigung war ebenfalls mal wieder fällig! J
28.09.2013
Heute gibt es nicht allzu viel zu berichten. Wir fahren ein paar Stunden bis nach Oakhurst und suchen uns dort einen Campingplatz für die Nacht. Aufgrund der geringen Entfernung zum Yosemite NP sind die Preise der gängigen Motels nämlich recht hoch. Wir sind hier südlich des Parks und werden morgen am Mariposa Grove vorbei ins Tal fahren um dort unser Quartier aufzuschlagen. Soweit wir wissen, kommen wir auf dieser Strecke nicht durch die von Waldbränden zerstörten Gebiete. Und dann kann hoffentlich unser Abenteuer beginnen…  ;-)
29.09.2013
Sirenengeheul, quietschende Reifen…wir wachen auf und denken wir wären im falschen Film. Total benommen und ohne richtig zu wissen, wo ich bin, stürze ich aus dem Zelt und sehe, wie ein Polizeifahrzeug hinter unserem Zelt vorbeirast. Mit Blaulicht, Sirenen und durchdrehenden Reifen jagen mindestens 4 Polizeifahrzeuge über den Campground. Wir „bewaffnen“ uns mit unserer Flasche Pfefferspray und flüchten ins Auto. Wer weiß, was hier los ist… Die ganze Aktion dauert mindestens eine Stunde, wobei am Ende die Officer den Platz zu Fuß absuchen. Später erfahren wir, dass sich ein Autodieb auf den Campingplatz geflüchtet hatte. Das war ein echt aufregender Morgen…und das auf dem Land in einem winzigen Dörfchen! Gegen Mittag erreichen wir den Südeingang zum Yosemite NP und fahren gleich weiter bis ins Valley. Die großen Waldbrandschäden sehen wir nicht, die sind weiter im Norden. Zum Glück blieb das wunderschöne Tal von all dem verschont. Im Wilderness Center bekommen wir unser Backcountry Permit, mit dem wir uns ab morgen auf den Weg zum Halfdome machen dürfen. Zunächst schlagen wir unser Lager aber noch für eine Nacht im Tal auf und kochen Nudeln. Die Kohlehydrate können wir morgen bestimmt brauchen! @Magda: Happy Birthday!
30.09.2013
Puh, die Nacht war mit nur noch 4 Grad ganz schön kalt. Heute kann unser großes Abenteuer also beginnen. Zunächst fahren wir aber noch ins Curry Village und checken unsere Emails. Und siehe da, wir haben Post aus Myanmar. Unsere Visa sind endlich angekommen und so steht unserem Asientrip nichts mehr im Wege. An dieser Stelle herzlichen Dank an das Team von Djoser aus Köln, die uns hier wirklich toll geholfen haben. Somit steht jetzt auch fest, dass wir am 17.11.2013 wieder heimischen Boden betreten werden. So, nun ruft aber der Berg! Vor 10 Jahren waren wir ja schon einmal auf dem Halfdome. Allerdings haben wir das damals in einer sehr anstrengenden 12-stündigen Tour gemacht. Diesmal wollen wir auf halbem Weg nach oben eine Übernachtung einschieben und eventuell eine weitere auf dem Abstieg. Das bedeutet, dass wir Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Winterjacken, Lebensmittel und einigen anderen Kram mit nach oben schleppen müssen. Da Kirsten ja Probleme mit der Bandscheibe hat, muss ich leider das Meiste alleine tragen. Aber es ist sowieso schon fast ein Wunder, dass Kirsten soweit ist, dass wir diesen Versuch überhaupt starten können. Nach einem leckeren Mittagessen im Tal brechen wir um 13 Uhr auf. Zunächst geht es am Vernal Fall vorbei. Dieser Teil der Strecke ist besonders anstrengend, da es steil bergauf geht und der Rucksack doch ganz schön schwer geworden ist. Der Anstieg am Nevada Fall ist auch nochmal schwer, doch danach erreichen wir schon bald das Little Yosemite Valley. In diesem hochgelegenen Tal geht es nochmal für eine Stunde weiter, bevor wir den Backcountry Campground erreichen. Die erste Etappe ist also geschafft. Morgen können wir dann ohne das ganze Gepäck den Gipfel in Angriff nehmen. Mal sehen, wie das so wird?!
01.10.2013
WE MADE IT TO THE TOP!!!  Gestern Abend haben wir uns schon um 19 Uhr in unser Zelt verkrochen und sind daher heute Morgen natürlich früh voller Tatendrang. Allerdings warten wir noch ab, bis es ein wenig wärmer wird und machen uns um 9 Uhr auf den Weg. Es geht sofort bergan durch einen tollen Wald mit unglaublichen Bäumen. Sobald man diesen verlässt, hat man den ersten freien Blick auf den Halfdome. Und dieser flößt wirklich Respekt ein. Die sogenannte „Schulter“ bezwingt man noch auf einem steilen Serpentinenpfad und dann geht es erst richtig los. Als normaler Wanderer könnte man den Gipfel ohne die dort angebrachten Kabel und Holztritte gar nicht besteigen. Und so zieht man sich im Schneckentempo die letzten Höhenmeter auf den imposanten Berg. Bloß nicht zur Seite schauen, da kann man wirklich Angst bekommen. Um 11:30 Uhr haben wir es tatsächlich geschafft: Wir sind oben angekommen! Zum zweiten Mal nach 10 Jahren stehen wir auf dem Gipfel des Halfdome. Der Ausblick in die Sierra Nevada ist atemberaubend, aber eigentlich zählt noch mehr, hier angekommen zu sein. Der Rückweg ins Camp ist dann nicht mehr so schwer und wir ruhen uns am Merced River noch ein wenig aus. Da wir doch müde sind und Kirstens Rücken nicht überanstrengen wollen, bleiben wir eine weitere Nacht im Camp und werden dann morgen früh den Weg zurück ins Tal in Angriff nehmen. Und jetzt muss ich schlaaaaafen…  J
02.10.2013
Na, das war doch perfektes Zeitmanagement: Gestern Abend, als wir schon im Zelt lagen, kam noch ein Ranger zu uns und informierte über den „shutdown“ der amerikanischen Regierung. Präsident Obama ist mit seinem Haushaltsentwurf nicht durchgekommen und jetzt werden bis zu einer Einigung alle staatlichen Einrichtungen geschlossen. Behörden, Museen und auch alle Nationalparks schließen die Tore. Somit darf bis auf Weiteres niemand mehr auf den Halfdome, und alle müssen bis spätestens morgen Nachmittag um 15:00 Uhr den Park verlassen haben! Da haben wir wirklich Glück gehabt. Hier im Camp sind gestern noch viele mit schwerem Gepäck angekommen, die nun unverrichteter Dinge wieder ins Tal absteigen müssen. Wir verlassen bereits um 7:30 Uhr den Zeltplatz und machen uns auf ins Tal. Ein wenig gespenstisch ist es schon, den Trail zeitweise für sich zu haben oder am Vernal Fall komplett alleine zu stehen. Nur ein paar Mutige machen sich trotz Verbots auf den Weg nach oben. Verstehen können wir es schon, schließlich ist diese Tour wirklich was Besonderes. Im Valley werden wir von einer Rangerin in Empfang genommen und gebeten, den Nationalpark am besten noch heute zu verlassen. OK, wir haben schließlich alles geschafft und auch fast alle Nationalparks gesehen, die wir besuchen wollten! J Aber es ist wirklich eine erschreckende Sache, die hier passiert. Schließlich sind noch unzählige Urlauber unterwegs, die jetzt praktisch alle Pläne über Bord werfen müssen. Ob es Entschädigungen für bereits bezahlte Reservierungen gibt, weiß wohl so Recht auch bisher niemand. Wir verlassen also unseren Lieblingspark (nur zur Erinnerung: schönster Ort der Welt!) und erreichen bald die ausgedehnten Waldbrandzonen, die in den letzten Wochen entstanden sind. Da ist man schon sehr betroffen, schließlich sind wir hier vor Wochen noch durch intakten Nationalforst gefahren. Bei dem trockenen Klima wird es sicherlich Jahrzehnte dauern, bis wieder ein gesunder Wald wachsen kann. Wir fahren dann auch nur bis Oakdale am Rande der Sierra Nevada um uns in einem Motel von den Strapazen auszuruhen und uns mal wieder die Zähne zu putzen. J

26.09.2013 Navajo-Bridge


Grand Canyon South Rim



30.09.2013 Yosemite NP - erster Tag unserer Backcountry-Tour - beim Trinkwasser abfüllen

01.10.2013 zweiter Tag: am Fuß des Halfdome


hier sieht man schon die Kabel

Kirsten beim Schlussanstieg


We made it to the Top - zum 2. Mal !!!

der Lohn der Mühe - die High Sierra

Kommentare:

  1. Hallo Ihr Zwei,
    da habt Ihr ja wirklich großes Glück gehabt. Eure Bilder vom Half Dom sind sehr schön, ganz besonders weil wir ja jetzt eine Vorstellung von ihm haben und vom schönsten " NP" der Welt. Wir wünschen Euch noch schöne Resttage in Amerika und gute Reise nach Asien. Bis bald!
    Erich u. Mechtilde

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Ihr zwei beiden!

    Uff, ich mußte gerade erst einmal meine Schwindelanfälle, die ich beim Anblick Eurer Kraxeltourstrecke bekommen habe, bekämpfen. RESPEKT :-)
    Schön, dass es mit Eurem Visum geklappt habt und Ihr somit noch ein wenig Asien schnuppern könnt! Es ist unglaublich, dass nun schon 9 Monate vorbei sind, seitdem ihr "weg" seid und in knapp 6 Wochen sehen wir uns schon wieder - also ich freue mich schon. Die Frage ist, freut Ihr Euch schon?? Euer Tatendrang scheint nicht nachgelassen zu haben und ihr seht aus, als ob ihr am liebsten noch länger bleiben würdet. Ich hoffe, der aktuelle shut-down wird schnell wieder aufgehoben, damit Ihr auch die letzten Wochen in den USA noch viel erleben und sehen könnt!
    Bei uns hat sich jetzt entgültig der Herbst angekündigt, es wird langsam nebelig und feucht. Aber in unserem Garten haben sich viele Pflanzen in tolle Gelb- und Rottöne verwandelt, es ist echt schön, dem zuzuschauen.
    Bis bald und fühlt Euch geherzt :-)
    Alex

    AntwortenLöschen